Die Johannis-Morde – Kapitel 16

Epilog

Als Katharina aus der Kirche kam, wurde sie von vielen Händen gepackt. Sie konnte kaum etwas sehen, so viele Menschen waren um sie herum. Sie wurde nach oben gehoben und fand sich auf den Schultern zweier Männer wieder. Für einen Moment hatte sie Angst herunterzufallen, aber die kräftigen Hände hielten sie fest. Sie sah zu Philipp. Er ruhte auf den Schultern von Albrecht und Volmar, die sichtlich Mühe hatten, den großen Mann im Gleichgewicht zu halten. Philipp ruderte mit den Armen und schien seinen Freunden nicht zu trauen, als die Anwesenden sie mit Saatgut bewarfen. Katharina hob die Hände vors Gesicht, konnte sich aber kaum gegen diesen Segenswunsch schützen. Die kleinen Körner verfingen sich in ihrem Kleid und ihren blumengeschmückten Haaren, die lang über ihren Rücken fielen.
Sie schloss die Augen und hoffte, dass sie diese Tradition bald hinter sich hatten. Philipp lachte laut, als sie ihn mit ihr um den Marktplatz trugen. Er versuchte ihre Hand zu fassen, aber die Männer unter ihm zogen ihn zur Seite.
„Dazu wirst du heute Abend noch genug Zeit haben“, rief eine raue Stimme, was die Anwesenden mit lautem Gelächter quittierten.
Während sie weitergetragen wurden, ließ Katharina ihren Blick über den Marktplatz schweifen. In der Mitte brieten ein Ochse und ein Schwein. Fässer mit Wein waren aufgestellt, und ein großer Kessel kochte über einem Feuer. Tische bogen sich mit Blechen voller Kuchen, und Ida hatte Mühe die Kinder vom Naschen abzuhalten. Bänke und Tische waren aufgebaut, die jedem Bürger von Furtenblick Platz bieten konnten. Auf einer der Bänke sah sie Nicolaus Grumbach stehen. Er war elegant gekleidet und ließ sich von der Fröhlichkeit anstecken. Als sich ihre Blicke trafen, hob er seinen Becher und prostete ihr zu.
Neben dem Gutsbesitzer stand Loretta und winkte ihr. Ihre Tochter hatte Tränen in den Augen, aber ihr Lächeln nahm ihnen jedwede Traurigkeit. Als sie an ihr vorbeigetragen wurde, hielt ihr Loretta die kleine Kethe hin. Katharina griff nach ihrer Enkelin, setzte sie auf ihren Schoss und hielt sie fest. Das kleine Mädchen gluckste vor Freude.
„Snell“, rief sie begeistert und klatschte in ihre kleinen Hände. Als sie den Marktplatz umrundet hatten und wieder an der Kirche waren, rief eine der Frauen: „Noch ein Runde.“
Die Anwesenden gaben begeistert ihre Zustimmung, und der Marsch um den Marktplatz begann ein weiteres Mal.
Katharina beobachtete Philipp, der sichtlich Spaß an dieser Hatz hatte. Er hielt sich am Revers seiner Träger fest und scherzte mit seinen Freunden. Als sich ihre und Philipps Augen trafen, konnte sie das Glück über diesen Tag in ihnen lesen. In diesem Augenblick wusste Katharina, dass es richtig gewesen war, Philipp zum Mann zu nehmen. Ihr Herz füllte sich mit Freude und ließ keinen Platz mehr für die düsteren Geschehnisse, die vor mehr als zwanzig Jahren ihren Anfang genommen hatten. Sie hielt ihre kleine Enkelin fest und lachte mit ihren Freunden. Es würde eine lange Vermählungsfeier werden.

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